Krippenspiel 2014

Premiere und letzte Vorstellung in einem: das Krippenspiel der Scheunenbühne am 20.12.2014 in der Cospedaer Kirche

Dass es auch ohne Stückvorlage geht, wussten wir aus Erfahrung. Dass wir so schnell sein konnten, war neu. In knapp sechs Wochen entstand unter Leitung von Iris König ein Krippenspiel, bei dem zwei Ebenen miteinander verknüpft wurden.

Ausgehend von eigenen Weihnachtserinnerungen entstanden Figuren, die so oder so ähnlich Weihnachten in Cospedaer Wohnstuben erleben könnten:
Stilvoll aber einsam verbringt die pensionierte Musiklehrerin (Uta Bornkessel) den Abend während der ebenfalls pensionierte Altphilologe (Bernd Zickler) der gut gemeinten Einladung der Familie seines Sohnes (Lutz Arnold, Babet Lehmann, Magdalena Schmidt, Alexandra Menge, Antonia Krause) gefolgt ist und sich bei all dem familiären Chaos wahrscheinlich Ruhe und Besinnlichkeit wünscht. Ehepaar Heidenreich – der Name ist Programm – (Henriette Gallas und Mechthild Collatz) wundern sich derweil, wo am Heiligabend all die Menschen hinwollen und versuchen mit der Fernbedienung des ständig laufenden Fernsehers die Kirchenglocken auszuschalten. Unterdessen beginnt das junge Paar (Vilja König und Oliver Weikopf) sich auf die neue Lebenssituation einzustellen. Genau Heiligabend ist Sohn Jesse geboren wurden.

Sie alle kommen in Kontakt, weil eine Chorsängerin mit sozialer Ader (Evelyn Schmidt) ihrer alten Lehrerin eine Freude machen und für sie Weihnachtslieder singen möchte. Unerwartete Unterstützung erfährt sie durch den aus St. Petersburg stammenden Musiker (Tilman Krause), der unvoreingenommen und interessiert deutsche Weihnachten kennen lernen möchte. Singend ziehen sie von Tür zu Tür und alle Besuchten schließen sich ihnen an.

Auf einer zweiten Ebene wird die biblische Weihnachtsgeschichte durch Zitate, Lieder und Szenen erzählt und es entsteht eine Verbindung zwischen beiden.
Neu und bereichernd für uns war, dass erstmalig auch vier der inzwischen neun Mitglieder der Juniorscheunenbühne mitspielten.

An diesem Dezemberabend kurz vor Weihnachten stürmte und regnete es draußen. Dennoch fanden viele Besucher und Besucherinnen den Weg in die Kirche und konnten sich dort zunächst mit Glühwein aufwärmen. Theaterhund Else, die bei allen Proben engagiert dabei war, hatte offensichtlich doch in letzter Minute Lampenfieber bekommen und hielt sich mehr unter den Bänken als auf der Bühne im Altarraum auf.

Beim Segen am Ende des Spiels dachten wir besonders an eine, die nicht dabei sein konnte: unser Ensemblemitglied Gisela Hempel. So gern hätte sie wenigstens zugeschaut. Am darauf folgenden frühen Sonntagmorgen ist sie gestorben.

Wie üblich wurde am Ausgang der Kirche um eine Kollekte gebeten. Wir hatten uns darauf geeinigt, das Geld Flüchtlingen, die in Jena leben, zukommen zu lassen. Inzwischen sind die knapp 350 Euro an die Kindersprachbrücke Jena übergeben wurden und helfen vor allem syrischen Flüchtlingskindern den Einstieg in die deutsche Sprache zu ermöglichen.